Energie, Strom

Wie in Deutschland die Energiewende verhindert wurde

Wie in Deutschland die Energiewende verhindert wurde

Liste diverse Hemmnisse in Deutschland, die die Energiewende blockieren.

Daher ist bei jeder Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Aufmerksamkeit gefordert.

Ein Teil der Hemmnisse wurde inzwischen wieder beseitigt, diese haben aber dennoch den Ausbau der Erneuerbaren erschwert.

Photovoltaik/Fotovoltaik (PV)

2009: Ausgleichsmechanismusverordnung

Seither muss der EE-Strom an der Strombörse verkauft werden. Er muss verkauft werden. Das wissen alle Marktteilnehmer, entsprechend sinken die Erlöse vom Verkauf des Erneuerbaren Stroms. Auch die EEG-Umlage steigt, wenn keinerlei PV/Windkraft gebaut würde. Warum? Weil es genügt, dass der Börsenstrompreis sinkt, um die EEG-Umlage steigen zu lassen, denn diese muss den verringerten Erlös ausgleichen: das EEG-Paradoxon.1https://energiewende-rocken.org/das-eeg-paradoxon/

Verbesserungsvorschlag: zurück zum vorherigen EEG-Umlagensystem bzw. Abschaffung der EEG-Umlage (dann sieht aber der Stromkunde nicht, wie die Erneuerbaren immer günstiger werden…)

2014: EEG-Umlage auf Eigenverbrauch

Einführung der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch, zuerst 30% der regulären EEG-Umlage, dann Erhöhung bis 2017 auf 40%, Befreiung bei Anlagen von höchstens 10 kWp und maximal 10 MWh Eigenverbrauch.2https://www.sfv.de/artikel/zur_eeg-umlagepflicht_auf_eigenverbrauchten_solarstrom

Dadurch wurden viele Anlagen kleiner gebaut als möglich, weil der Betreiber keine Umlage auf seinen Eigenverbrauch bezahlen wollte.

Die 10 kWp Grenze bedeutete auch, dass ab 10 kWp (7,69 kWp) ein Erzeugungszähler zu installieren war. Ohne entsprechendem Zählerplatz war dann noch ein neuer (teurer) Zählerschrank nötig.

Insgesamt geht es aber um lächerliche Beträge je Anlage, z. B. 30-100 € p. a., d. h. die Verwaltungskosten fressen vermutlich die Einnahmen für den Staat/EEG-Umlage auf.

Verbesserungsvorschlag: EEG-Umlage ab 30 kWp/30 MWh, wurde 2021 gefixt. Noch besser wäre nur 30 MWh und keine Begrenzung der Leistung, denn dann würden häufig größere Anlagen gebaut werden.

2015: PV-Ausschreibung

Einführung der PV-Ausschreibungen bei Anlagen >750 kWp.3https://www.solarbranche.de/wirtschaft/eeg-verguetung/eeg-ausschreibungen 4https://www.solarbranche.de/downloads/verordnungen/verordnung-zur-einfuehrung-von-ausschreibungen-der-finanziellen-foerderung-fuer-freiflaechenanlagen.pdf Dadurch mehr Aufwand und Risiko für potentielle Betreiber.

2021: neue 10 kWp Grenze

Leider wurde wieder eine neue Grenze eingeführt: Befreiung von der Einkommensteuer bis 10 kWp, was dazu führt, dass potentielle Betreiber kleiner bauen…5https://www.pv-magazine.de/2021/06/04/bundesfinanzministerium-schafft-einkommensteuerpflicht-fuer-photovoltaik-anlagen-bis-zehn-kilowatt-ab/ 6https://www.pv-magazine.de/2021/11/05/bundesfinanzministerium-konkretisiert-steuererleichterung-fuer-kleine-photovoltaik-anlagen/

Dabei wurde gerade erst die Befreiung von der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch auf 30 kWp und 30 MWh Eigenverbrauch erhöht. Damit sind weniger Erzeugungszähler nötig.

Verbesserungsvorschlag: Befreiung von der Einkommensteuer bis 30 kWp?

2021: 300 kWp Grenze

Anlagen >300 bis <750 kWp erhalten nur noch 50% der eingespeisten Energie vergütet, der Rest wird mit dem Marktwert Solar vergütet.7https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/technik/energie/photovoltaik/eeg-2021.htm Damit werden Dachanlagen kleiner gebaut als möglich, da sonst evtl. unwirtschaftlich, sofern kein sehr hoher Eigenverbrauch möglich.

Verbesserungsvorschlag: Abschaffung dieser Grenze.

Zu schnelle Vergütungskürzung

2012 waren PV-Anlagen übervergütet, dann wurde die Vergütung so drastisch gekürzt, dass der PV-Zubau 2013 einbrach.8https://www.solarbranche.de/news/nachrichten/artikel-25364-solarmarkt-deutschland-bricht-2013-ein

2021 ist der Zubaukorridor immer noch viel zu niedrig, was dazu führt, dass die Vergütung inzwischen schneller sinkt als die Kosten, da mehr als nur 2,5 GWp p. a. neu gebaut werden. Die Kosten steigen sogar!9https://www.pv-magazine.de/2021/10/19/modulpreise-werden-auf-das-niveau-von-2019-zurueck-katapultiert/ Das wird dazu führen, dass 2022/23 der Zubau zurückgeht, jedenfalls bei kleinen Anlagen sowie Ost/West-Anlagen, da diese bei <7 Cent/kWh und steigenden Kosten nicht wirtschaftlich sind, jedenfalls bei Volleinspeisung.

Verbesserungsvorschlag: Erhöhung des Zubauziels auf 15-25 GWp p. a. (dadurch würde die Vergütung langsamer sinken) sowie Vergütungsanpassung anhand PV-Preisindex o. ä.

Eigenverbrauch bei Ausschreibung nicht möglich

Bei Anlagen, die eine Vergütung durch Teilnahme bei einer Ausschreibung erhalten, ist Eigenverbrauch nicht möglich.10https://www.carmen-ev.de/2021/04/12/pv-foerderung-durch-festverguetung-und-ausschreibung/

Verbesserungsvorschlag: leider keinen, da Direktvermarktung bei Eigenverbrauch schwerer?

Windkraft

2014: 10H-Regel (Bayern)

Die Einführung der 10H-Regel in Bayern führte dazu, dass fast keine neuen Windkraftanlagen mehr gebaut werden konnten.11https://kommunalwiki.boell.de/index.php/10H-Regelung

Verbesserungsvorschlag: sinnvolle Abstandsregelungen, keine starre.

2017: Ausschreibung

Einführung von Ausschreibung für Windkraftanlagen >750 kW.12https://www.fachagentur-windenergie.de/themen/ausschreibungen/

Allgemein Erneuerbare Energieanlagen

Ab 135 kW Anlagenzertifikat nötig

Ab 135 kW Wechselrichterleistung ist nun ein Anlagenzertifikat nötig.13http://web.archive.org/web/20211012032222/https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/zertifizierer-blockieren-solarenergie-ausbau-101.html
Problem: monatelange Wartezeiten sowie nicht unerhebliche Kosten. Früher 3000-5000 €, inzwischen: >10.000 € – Benutzer “bauerkiel”: „es gibt nur eine handvoll Anbieter, die sich ihrer Marktposition mittlerweile recht bewusst sind.“14https://www.photovoltaikforum.com/thread/138788-anlagenzertifikat-typ-b-ab-135-kwp/?postID=2215036#post2215036
Früher war dieses erst bei Anlagen ab 1 MW nötig.

Verbesserungsvorschlag: Anlagenzertifikat erst wieder ab 1 MW Leistung fordern.

Du kennst noch ein Hemmnis, das hier fehlt? Dann hinterlasse doch einfach einen Kommentar.

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    https://energiewende-rocken.org/das-eeg-paradoxon/
  • 2
    https://www.sfv.de/artikel/zur_eeg-umlagepflicht_auf_eigenverbrauchten_solarstrom
  • 3
    https://www.solarbranche.de/wirtschaft/eeg-verguetung/eeg-ausschreibungen
  • 4
    https://www.solarbranche.de/downloads/verordnungen/verordnung-zur-einfuehrung-von-ausschreibungen-der-finanziellen-foerderung-fuer-freiflaechenanlagen.pdf
  • 5
    https://www.pv-magazine.de/2021/06/04/bundesfinanzministerium-schafft-einkommensteuerpflicht-fuer-photovoltaik-anlagen-bis-zehn-kilowatt-ab/
  • 6
    https://www.pv-magazine.de/2021/11/05/bundesfinanzministerium-konkretisiert-steuererleichterung-fuer-kleine-photovoltaik-anlagen/
  • 7
    https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/technik/energie/photovoltaik/eeg-2021.htm
  • 8
    https://www.solarbranche.de/news/nachrichten/artikel-25364-solarmarkt-deutschland-bricht-2013-ein
  • 9
    https://www.pv-magazine.de/2021/10/19/modulpreise-werden-auf-das-niveau-von-2019-zurueck-katapultiert/
  • 10
    https://www.carmen-ev.de/2021/04/12/pv-foerderung-durch-festverguetung-und-ausschreibung/
  • 11
    https://kommunalwiki.boell.de/index.php/10H-Regelung
  • 12
    https://www.fachagentur-windenergie.de/themen/ausschreibungen/
  • 13
    http://web.archive.org/web/20211012032222/https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/zertifizierer-blockieren-solarenergie-ausbau-101.html
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    https://www.photovoltaikforum.com/thread/138788-anlagenzertifikat-typ-b-ab-135-kwp/?postID=2215036#post2215036

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